Leuchtend schwarz

Die nächtliche Stadt bewegt sich nur noch als Spiegelbild im schwarzen Wasser. 

Das Ufer ist gesäumt vom verhaltenen Reden der Menschen

Die Luft ist warm von der Freude über die unerwartete nächtliche Sommerwärme.

Das fast perfekte Rund des Mondes sitzt als Pompon auf der vom Gegenlicht schwarz gerußten Kirchturmspitze.

Selam Berlin

Selam Berlin ist ein Adoleszenzroman. Das weiß ich, weil ich ihn für den Deutschunterricht gelesen habe. Also für eine Rezension für eine gleichwertige Leistung für den Deutschunterricht.

Berlin ist eine Großstadt. Das weiß ich, weil ich sie für einen Geburtstag besucht habe. Also für ein Wochenende für ein Geburtstagsgeschenk für ein Geburtstagskind.  

Und nun Vorhang auf für diesen gewagten Cocktail aus Literaturkritik und Handyfotos, aus 1989 und 2018, aus herbstlich jugendlicher Aufbruchsstimmung und frostklarer Winterstraßenbummelei.

Wollte man Selam Berlin in einem Wort beschreiben, ich würde mich für „Veränderung“ entscheiden. Denn in diesem Roman ist alles im Wandel: Hasans Leben, weil er jetzt erwachsen ist und alleine nach Berlin zurückzieht, Berlin selbst, weil die Mauer fällt und plötzlich alles verschwimmt und Hasans Familie, weil hinter so einer Mauer manchmal Dinge versteckt sind, die alles auf den Kopf stellen.  Auch das Leben von Yadé Kara, die Selam Berlin 2003 als ihren Debütroman veröffentlichte, wurde mit einem Deutschen Bücherpreis und dem Adalbert-Chamisso-Förderpreis nachhaltig auf den Kopf gestellt. Selam bedeutet Hallo, und genau das ist das Buch: ein großes Hallo an Berlin, das Leben und alles neue, das Hassan auf diesen 382 Seiten erlebt.


Die beiden Protagonisten des Romans sind Hasan und Berlin. Hasan ist ein neunzehnjähriger Deutschtürke, aufgewachsen im Spagat zwischen Berliner Mentalität und Istanbuler Familie, Currywurst und Köfte, dem Bosporus und der Spree, und nun auf der Suche nach Party, Freunden, der Liebe und einem Plan für sein Leben. Dabei werden er und der Roman stark von der Stadt geprägt, mit ihrem völlig eigenen, etwas rauen, ruppigen Charme, der tiefer unter der Oberfläche verborgen liegt und dazu führt, dass Berlin auch sehr hässlich, geradezu verletzend sein kann.

In Berlin friert das Wasser nie zu und das Ufer ist voller Müll.  Doch im Moment ist diese Stadt in ihrer größten Umbruchsphase überhaupt, denn die schier surreale Spannung zwischen Ost und West wird plötzlich aufeinander losgelassen und alles ist irgendwie Chaos. Das ganze Buch ist also eine einzige Selbstfindungsphase. Für Hasan, in dem sich das deutsche und türkische so untrennbar verwoben haben, dass er oft gar nicht mehr identifizieren kann, was zu welchem Teil gehört. Außerdem für Hasan, weil der plötzlich vor dem Nichts steht, mit seinem Schulabschluss in der Hand und ohne Ziel vor Augen. Von der Angst etwas zu verpassen – neudeutsch auch „FOMO“ (= Fear Of Missing Out) – gejagt, läuft er panisch von Party zu Party, von Ost nach West, von Job, zu Wohnung, zu anderem Job in andere Wohnung. Und Berlin muss nach Jahren der geteilten Persönlichkeit wieder einen gemeinsamen Nenner finden.

Hasan und Berlin suchen in diesem Winter 1989/1990 also gemeinsam ihre Identität. Und nehmen einen mit, ob man will oder nicht. Denn erzählt wird all das von Hasan selbst. Yadé Kara lässt den Leser mit dem personellen Ich-Erzähler, Hasans naiver, aufgeregter Sicht der Dinge und seiner schnoddrigen Ausdrucksweise außergewöhnlich nah an ihren Protagonisten heran. Hasan drückt sich nicht immer schön aus, manchmal aber schon. Diese jugendliche Mischung aus abschätziger, aufbrausender und rebellischer Umgangssprache und pathetischer Poesie führt dazu, dass er im gleichen Absatz von „Saft im Sack“ und seinem „Dicky“ spricht, in dem er auch alte Familienfotos in ihrer schmerzhaften Nostalgie so treffend als „scharfe Zeitsplitter“ skizziert.

Aber diese Nähe zum Protagonisten ist auf die Dauer auch anstrengend; Hasan, seine Ziellosigkeit, Naivität und seine grundsätzliche Ablehnung gegenüber allem werden nach spätestens drei Kapiteln anstrengend bis unangenehm. Dass er auch nur eine höchst beschränkte Anzahl an Themen hat, wird dadurch offenkundig. Doch diese Reduktion bewährt sich in einer tieferen Betrachtung der einzelnen Themen die sonst nicht möglich gewesen wäre.

Hasan nervt also – aber er lebt! Das muss man der Autorin, die übrigens selbst in Berlin mit türkischen Wurzeln aufwuchs, die Wende dort miterlebte und einige Zeit in Istanbul gelebt hat, zu Gute halten; Hasan ist echt. Wie sie selbst in einem Interview beschrieb, hat man „die Figur vor Augen, den Ton im Ohr“. Und deswegen darf Hasan nerven. Er darf sich verlieren in Definitionen seiner selbst – Türke, Deutscher, Westberliner -, weil das so ist, in dem Alter, im Leben. Er darf aufbrausen und erstarren in Trauer um seine zerbrochene Familie und seine verlorene Kindheit, weil wir das auch dürfen. Selam Berlin ist ein Plädoyer für das Nichtentscheiden, für die Jugend und das Leben und die Akzeptanz jeden Zustandes, mag er auch noch so schwer verständlich sein. Hasan kann sich meistens ganz gut akzeptieren, es sind eher die anderen, die Probleme bereiten. Generell ist der Blick durch Hasans Augen horizonterweiternd, denn er schenkt so tiefe Einblicke in das Leben zwischen zwei Kulturen und in eine ganz persönliche Art, mit den Risiken und Nebenwirkungen der Jugend und des Lebens umzugehen, wie sie nur ein gutes Buch bieten kann. Außerdem ist es unterhaltsam und spannend, dabei zu sein, wenn Berlin wieder zu einem verschmilzt, Hasan mindestens zwei neue Schichten seiner selbst entdeckt und es tritt das Best-Case-Szenario der Romanlektüre ein, man taucht in eine neue Welt ein und kommt voller, fast eigener, Erfahrungen und Gedanken am Ende wieder heraus.

Und so ist Selam Berlin, dieser Debütroman, der so anmutig in den Kosmos seines Protagonisten entführt, sich dabei aber auch nicht vor den dreckigen Ecken fürchtet und das historische Berlin weder auf ein Wolkenpodest noch ins Klischee abschiebt, ein sehr gelungenes Werk über die spektakuläre Dramatik und versteckte Schönheit eines alltäglichen Lebens geworden. Wollte man seinen Inhalt mit einem Wort beschreiben, würde ich mich immer noch für „Veränderung“ entscheiden, ansonsten wähle ich nun „gelungen“ und „bereichernd“, weil man sich nicht immer an die Regeln halten muss.

Marie in Amerika

Ich war in New York. Und Massachusetts. Und Boston. Und einer Boeing 747. Ich war in amerikanischen Klassenzimmern, in amerikanischen Autos und in amerikanischen Italienern zum Abendessen. Ich war im Central Park, einem New Yorker Taxi, einem Off-Broadway-Musical, sehr viel Englisch, etwas Spanisch, ein bisschen Mandarin und einer Spur Hindi – ich war auf Reisen.

Also, für die Chronik: im Herbst diesen Jahres habe ich zum ersten Mal in meinem Leben einen anderen Kontinent betreten, als ich mit einer kleinen Gruppe aus der Schule für eine Konferenz eines internationalen Schulenverbundes in USA flog. Das klingt nach langweiligen Besprechungen, öden Vorstellungen und Repräsentationszwängen, aber tatsächlich war es ziemlich lustig, bereichernd, spannend, urlaubig und freundefindend. Denn zuerst waren wir gemeinsam mit den anderen Gastschülern zweieinhalb Tage in New York und haben die Stadt unsicher gemacht – wobei; vielleicht war es auch anders herum. Aber weil mein Kreislauf ein kleines Jetlagopfer ist (leider habe ich diese Zeitform bewusst gewäht), und New York eine Stadt von nie da gewesenen Dimensionen – zumindest für mich kleine Europäerin aus unseren Altstädten mit Höhenbeschränkung, wo die Kirchtürme aus dem Mittelalter immer noch die „Skyline“ (hahaha) beherrschen – deswegen lag die Stadt in unserer Beschnupperungsphase, die eher einem Zweikampf ähnelte, schon ein bisschen vorn.Aber weil New York aus koscheren Hot-Dog-Ständen, epilepsieerregenden Werbebildschirmen, melodischen Polizeisirenen, beschäftigt telefonierenden Geschäftsleuten, panisch jede Sekunde ihres Trips festhaltenden Touristen, schillernden Museen, noch schillernderen Musicals, sehr viel Willenskraft und jeder Sprache der Welt besteht – ein Mix der besser wirkt als jedes Riechsalz – war ich bald wieder da und erfüllt bis süchtig nach dieser ganz eigenen Fragrance.

Es erstaunt mich jedes Mal, wie Städte – die doch immer nur aus den gleichen Bausteinen Häuser, Menschen und ein bisschen Geschichte bestehen – eine solche Identität entwickeln können. Aber es scheint zu funktionieren, denn die zweite amerikanische Großstadt, Boston, in der ich nur zwar einen Abend verbrachte aber immerhin, unterschied sich von der ersten doch ganz gewaltig. Irgendwie war die Luft da anders, die ganzen Colleges und Universitys waren viel lauter im Atmen der Stadt, und die Häuser hatten als Kollektiv weniger das große Ganze der Geschichte aus den Augen verloren, vor der überwältigenden Größe des Moments, als mir das in New York der Fall zu sein schien.

Aber auch dieses eine Etwas, das ein Land von allen anderen unterscheidet, es in sich vereint und unverwechselbar macht, dieses Etwas ist in Falle Amerikas auch deutlicher heraus zu schmecken, als ich mir das gedacht hatte, wo doch Deutschland so voller amerikanischer Produkte und die USA so voller deutscher Immigranten ist.
Dieses Etwas jedenfalls hat für mich mit den Autos zu tun, die zumindest auf dem Land absolut überall und notwendig sind. Außerdem mit der Schule: das mit der High School, den Flaggen in jedem Zimmer, den bejubelten Sportteams mit individuellen Trikots und zahllosen Clubs, den Cafeteriamahlzeiten, wo nach dem Essen bis zum Tablet alles weggeschmissen werden kann und wird und den sonnengelben Schulbussen – das hat auch irgendwas damit zu tun.

 

 

 

Wir jedenfalls hatten viel Spaß beim Poetryworkshop, in diesem aufregend anderen Schulalltag und beim Musikprojekt, bei dem ich Hamilton, ein sehr amerikanisches Musical singen, rappen und feiern lernte.
Neben dieser Begeisterung werde ich auch einen Turnbeutel, zwei T-Shirts und eine Trinkflasche mit dem beeindruckenden Schulemblem, aus dem Rhymeworkshop sehr sehr viel übers Fühlen, Schreiben und Darstellen, dreißig neue Instagramfreunde, getrocknete Herbstblätter aus Wäldern, in denen früher Indianer gelebt haben und dieses Gefühl des Verständnisses aus einem langen Gespräch über alles mit einem Lehrer der Schule mitnehmen.
Ich war die Erste, die den Witz in dem Plakat von Pink Floyds „The Wall“ erkannt hat, das in seinem Klassenzimmer zwischen Karikaturen, Memes und Grafiken hing. Wer wird wohl der Erste sein, der die Astrid-Lindgren-Anspielung im Titel dieses Artikels erkennt?

Mit den Ohren reisen

Podcasts. Ich liebe Podcasts. Weil ich so gerne über spannende Sachen mehr erfahre. Weil ich nach einem Tag (oder auch nur mehreren Stunden) mit anderen Menschen und vielen sich bewegenden Dingen (dabei) gerne die Augen zu mache. Weil ich nicht gut einschlafen kann. Weil mir auf Auto-, Bus- und Zugfahrten beim Lesen schnell schlecht wird.  Weil es so viele tolle, spannende, lustige Sachen da draußen gibt – und sie sind alle gratis, offline verfügbar und unendlich!

Und weil sie eigentlich nur Blogs in einer anderen Disziplin sind.

Wenn man sich auf Besuch in die Podcastwelt macht, gibt es da sehr viele verschieden Eingänge in dieses sagenumwobene Reich voller unbekannter Reichtümer. Und weil man die Früchte, die an den Podcastbäumen wachsen, sonst nicht sehen könnte, bekommt man an jedem Eingangsgatter eine Brille aufgesetzt. Diese unterscheiden sich ziemlich und die meisten Menschen kommen immer wieder an ihrem Gatter an, weil sie sich mit der jeweiligen Art zu sehen angefreundet haben und empfehlen auch ihr Gatter ihren Freunden weiter. (Denen, die sie nicht mögen meistens nicht. Oder nur, wenn ihnen die Brille ständig von der Nase gerutscht ist und sie diesen ganzen Bäumequatsch total albern fanden. Dann kommen sie meistens auch nicht mehr wieder, oder zu einem anderen Eingang.) Aber tatsächlich funktionieren die allermeisten Brillen sehr gut und wenn man mit seiner zurecht kommt, was am Anfang manchmal etwas dauern kann, muss man sie auch nicht mehr abgeben.

Meine funktioniert mit einem Dekodierungssystem namens Podcatcher/Feed-Aggregator/Podcasting-Client und sieht aus wie eine App und eigentlich ist das auch alles was zählt. Mir steht dieses Modell ganz gut, besser als eine Website oder ein iTunes, aber jedem das seine, da bin ich sehr tolerant.

An den meisten Gattern werden auch Körbe ausgeteilt, damit man Früchte pflücken und mitnehmen kann. Und Landkarten, damit man Bäume, deren Früchte einem gut geschmeckt haben, wieder finden kann, wenn man sein ganzes Obst aufgegessen hat.

Und so zählt ein Ausflug in die Podcastwelt mittlerweile zu meinem mittelbaren und das Verzehren von Podcastbaumfrüchten zu meinem unmittelbaren Alltag. Und weil auf den meisten Landkarten direkt am Anfang noch gar keine Bäume stehen, beziehungsweise nichts über den Geschmack ihrer Früchte, gebe ich allen Reiselustigen hier mal ein paar meiner markanten Punkte in der Landschaft mit. Und weil man auf dem Weg zum einen ja oft ganz viele andere kennen lernt, kann man sich so schnell eine kleine Infrastruktur aufbauen, mit lauter wunderbarem Obst.

Also liste ich sie mal auf, versuche ihre Geschmacksrichtung kurz darzustellen und sie ein wenig nach Arten zu sortieren.Der Einschlafen-Podcast – Tobi redet über Dinge die gerade so spannend sind, dass man abgelenkt wird, aber noch nicht zu spannend um sie nicht zu ende zu hören müssen.

Die kleine schwarze Chaospraxis – Ninia LaGrande und Denise M’Baye reden und lachen. Über alles mögliche.

Popradar – Ninia LaGrande und Leonie Warnke reden über Popkulturelles, Klatsch und Tratsch.

Feuer & Brot – Alice und Maxi reden über Gesellschaftliches wie Frauen in der Politik, Bodypositivity oder andere Podcasts.

Talk ohne Gast – Moritz Neumeier und Till Reiners reden immer ohne den Gast über ihn und dann sehr schnell über alles mögliche.

Undduso – Denise M’Baye redet mit Schauspielern über deren andere Berufe und Passionen.

A mindful mess – Maddie Alizadeh von dariadaria.com spricht über Nachhaltigkeit, Verletzlichkeit und alles was sie sonst noch so bewegt.

Cockpitbuddy – Suk-Jae Kim redet übers Fliegen und warum man keine Angst davor haben muss.

Die Seriensprechstunde & Die Seriendialoge – Ulrike Klode redet mal mit Marco mal mit Experten über Serien. (Sehr spannend auch wenn man keine einzige Serie anschaut!)

Gute Arbeit Impro – Katjana Gerz, Lena Kupke, Stefan Titze und Florentin Will vom Sketch-Videoteam Gute Arbeit Originals improvisieren sich über Begriffe aus den Kommentaren in andere Welten.

Zeitzeugen im Gespräch – Rainer Burchard vom Deutschlandfunk redet mit (bekannten) Persönlichkeiten über Erfahrungen.

Eine Stunde Talk – Sven Preger von Deutschlandfunk Nova redet mit Menschen „die was zusagen haben“.

Hotel Matze – Matze Hielscher von Mit Vergnügen redet mit Künstlern, Unternehmern und Politikern.

Die Lage der Nation – Philipp Banse und Ulf Buermeyer reden über politische Geschehnisse und die Lage der Nation.

Deutschlandfunk Hintergrund – Kurze Reportagen über (meistens) sehr spannende Themen, vom Deutschlandfunk.

Eine Stunde History – Etwas längere Reportagen über historische Geschehnisse, Zusammenhänge und Mechanismen, von Deutschlandfunk Nova.

This American Life – Shows in englischer Sprache über sehr unterschiedliche Themen, von Chicago Public Media.

Hörsaal – Deutschlandfunk – Mitschnitte von Vorträgen spannder Forscher über spannende Themen, von Deutschlandfunk Nova.

generell alles von Deutschlandfunk, Deutschlandradio und Deutschlandfunk Nova – da sind so tolle Sachen dabei, die ich hier gar nicht alle aufschreiben könnte!

TED Talks – Wie könnte ich hier TED Talks nicht mit aufnehmen, dieses unglaublich breit gefächerte, große und mittlerweile auch bekannte Redenformat über alles alles mögliche.

 

Gute Reise! Und bring mir ein paar neue Entdeckungen mit!

Juni 2017 in Athen

Ein Montagmittag, Mitte Juni in Athen. Eine Gruppe deutscher Schülerinnen drängt sich mit einem Klassenkameraden, zwei Lehrern und einem griechischen französisch parlierenden Guide zwischen asiatischen Touristengruppen hin zum Ausgang der Akropolis.

Da fällt einigen ein, dass sie noch schnell auf Toilette müssen und Marie hat plötzlich eine Idee im Kopf, die sich, wie so viele Gedanken, nicht in Worte fassen lässt. Sie hatte auf jeden Fall etwas mit dem großen mediterannen Baum zu tun, der da stand, am Eisenzaun, zwischen dem Drehtor, den Toiletten und zwei Getränkeautomaten, die unter jeweils 50 verschieden Artikelnummern immer nur die gleiche Flasche Wasser anboten.
Und weil sich Marie in Bezug auf verrückte Ideen selten sträubt, ja, ihre Foto- oder Aquarellprojekte oder Texte oft in einem rauschartigen Zustand direkt von der Idee weg entstehen, parierte sie brav. Sie suchte also ein symmetrisch, unkaputtes Blatt aus, das da unter dem Baum herum lag, kramte ihre 5cm große Schere aus dem Rucksack, setzte sich auf den Steinboden, schnitzte ein Wort und eine Zahl in das Blatt und verbrachte den Rest des Tages damit, Fotos zu machen, in denen sie das Blatt vor irgendwelche schönen Motive hält.

Natürlich ist das nicht die ganze Geschichte, die fängt im Januar 2016 an, mit einem gestempelten Schriftzug und endet erst dutzende Stunden, Erlebnisse, Tage, Motive und Fotografien später, nein, dies hier sind nur die Basishandlungen. Aber ich möchte die Bilder selbst sprechen lassen. Sie erzählen nicht nur von einer Studienfahrt, von einem Sommer in einer neuen Stadt in einem fremden Land, sondern auch von mir und wie schönes in mir wohltuende Töne anschlägt. Wie sehr mir die pittoresken oder atemberaubenden oder sanften oder frohen Ecken Athens gefallen und gut getan haben.Die wirklich schwierige Aufgabe war es dann, die RICHTIGE unter all den Aufnahmen auszuwählen. Denn ich hatte die Bilder ja für einen Anlass gemacht, das Album. Ich habe sehr viel Zeit mit der diesmonatigen Ausgabe verbracht, wenn ich überlege, wie oft ich das Blatt, das perfekterweise genau in meine Handyhülle passte, herausbastelte und vor dem Motiv hin- und her schwenkte, um den besten Winkel zu finden. Außerdem war das Programm im Hintergrund beinahe durchgehend am laufen, ich lief durch Athen immer auf der Suche nach einem Motiv, vor dem ich das Blatt hin- und herschwenken konnte. Und wenn man dann noch die Stunde addiert, die ich verbrachte, immer weniger Favoriten in endlosen Slideshows zu vergleichen…
Irgendwann entschied ich mich für dieses hier, weil mir die Farbstimmung gefällt, die Komposition mit der Wolkenfront an der einen Seite, meiner Hand auf der anderen und weil es am Meer ist, wo es mir immer am besten gefallen hat. Ob eine Flaschenpost aus Athen wohl irgendwie hierr in der Nordsee oder Ostsee ankommen würde? Möglich wäre es und das ist alles was zählt.

 

Aufgeräumt

                                                     Ich mag Aufräumen.                                                Allem einen Platz geben, sich von Altem verabschieden und Neues zu entdecken. Trotzdem räume ich nicht gern auf. Bei mir funktioniert  dass nämlich so, dass ich erstmal alles rausreiße um dann tagelang alles zu sortieren und neu einzuräumen ( Ich brauche ja wohl nicht zu erwähnen, dass mein Zimmer während dieser Zeit unbewohnbar ist…).

belfort cafe 2

belfort cafe 2.0

belfort haus20

Man findet alte Erinnerungsstücke und entscheidet, ob man sie behält oder eben nicht. Wenn dass mit denen im Kopf auch ginge… Man könnte die doofen Sachen einfach löschen! Aber man würde Fehler mehrmals machen, nichts lernen. Und was, wenn sich später rausstellt dass das doch was Gutes war?

Erinnerungen

Ob man es glaubt oder nicht, ich bin vor fünf Tagen vierzehn geworden. ja, ich weiß, dass ist kein Alter doch ich finde, man kann in vierzehn Jahren einiges erleben (Wie soll dass denn erst werden wenn ich sechzig bin?! ).

SONY DSC

Ich habe das große Glück, eine Mutter zu haben, die sehr viele wunderschöne Photos macht. Und diese Photos klebt sie jedem meiner drei Geschwister und mir immer in ein Album. Ich liebe es einfach in Erinnerungen zu stöbern. Viele Dinge und Erlebnisse sind einem gar nicht mehr bewusst. Und ganz plötzlich kommen die ganzen Gefühle wieder hoch, für den Moment hört, riecht, fühlt man genau wie damals. All die Freude und Unbeschwertheit aber auch Sorgen ( zugegeben, die waren damals nicht besonders groß… ). Doch das hält nur für einen Moment. Diese Erinnerungen sind wie Papierfetzen, die dir der Wind entgegenweht; manche klatschen dir mit voller Wucht ins Gesicht, andere streifen nur deinen Arm. Doch alle treibt der Wind wieder weiter, so dass bloß ein Kribbeln übrig bleibt.

Bild 8

Mein Geburtstag war übrigens wirklich schön, meine Schwester und meine Mutter haben für mich einen Überraschungsparty organisiert, von der ich bis zuletzt keine Ahnung hatte! Ich war mit meinem Vater zu einem Fahrradshop gefahren weil ich ein neues Rad brauch und als wir zurückkamen, standen alle in der Küche und riefen `Happy Birthday!´ , ich hab ’ne ganze Weile gebraucht, bis ich erkannt habe wer da steht und noch viel länger um zu begreifen dass sie da wirklich standen!!!! Ich meine, Überraschungspartys gibt’s doch nur im Film  oder bei Hanni&Nanni! Das war echt wunderschön…

Endlich Samstag

Meine Brüder hatten heute den Tag der offenenTür in ihrem Chor. Das heißt, man konnte bei den Proben zuhören, im Garten arbeiten und am Mittag wurde dann gegrillt.P1030394

Als es ein bisschen kalt wurde, wollte ich mit meiner Schwester kurz zum Auto gehen, um meine Jacke zu holen. Als ich ein Photo von ihr machen wollte, drehte sie sich plötzlich um und ich machte den Schnappschuss meines Lebens.;)

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Ich fand die fliegenden Haare ziemlich cool und hab dann  noch mehr Bilder gemacht.

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Ein Tag, an dem irgendwie alles schief geht…

Es gibt Tage, da läuft alles ganz gut; die Sonne scheint, Deutsch fällt aus, und solche tollen Überraschungen eben. Es gibt Tage, an denen läuft nicht alles gut, man verschläft zum Beispiel morgens, lässt die Nachbarin und die Schwester deshalb stundenlang im Flur warten (es waren nur zehn Minuten!), und muss dann zum Bus rennen. Und es gibt Tage, an denen ALLES schief geht. Es fängt mit dem oben beschriebenen Nachbarin-warten-lassen-Phänomen an, führt über den Physikunterricht und Hustenanfall im Bus (ich dachte echt ich krieg´ keine Luft mehr!!!) zu vergeblichem Handysuchen daheim. Aber ohne mein Handy fühle ich mich immer so schutz- und hilflos…. Als ich mich gerade auf den Weg zur Stadtbahn -also zur Chorprobe- machen will, erfahre ich, dass selbige heute schon eine halbe Stunde früher anfängt. Pünktlich komm ich also eh nicht mehr.  Nach der Probe und einer halbe Stunde warten auf meinen Vater – weil man nach 21:00 unter 16 Jahren abgeholt werden muss – erfahre ich von ihm, dass jemand um 18:30 meinen WhatsApp-Account gelöscht hat; zu einer Zeit, zu der ich mein Handy gar nicht mehr hatte…  Joa, dass ist jetzt halt so ein winziges bisschen doof, weil da ganz viele Bilder und Handynummern drauf waren, die ich sonst nirgendwo mehr habe und die ich auch nicht so schnell wiederkriege , weil die zugehörigen Leute beispielsweise in Russland leben. Falls also jemand ein völlig vermacktes, herrenloses Samsung Galaxy Ace Plus finden sollte – das ist meins!!!

Muttertag

Heute ist ja mal wieder Muttertag! Tja, und seitdem man nicht mehr in der Grundschule ist – wo man Tulpenbilder malt und in Schönschrift Gedichte schreibt – muss man sich was anderes überlegen…

Meine Schwester und ich haben uns diesmal überlegt, unserer Mutter was Süßes zu schenken, genial!!!! Nur, wie verpackt man ein Schokoherz?!? Ich hab dann ganz, ganz viele Papierstreifen drum geklebt und Schleifchen gebastelt:

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