Von Wakenitz bis Rhein

en Akzent meiner Mama höre ich nur am Telefon. Das mein Papa anders spricht, als die Väter meiner Schulfreundinnen, merkte ich immer dann, wenn er mich nach einer Feier abholte, wir eine von ihnen mit dem Auto mitnahmen und ich ihn plötzlich mit den Ohren dieser Norddeutschen hörte. Meine eigene kuriose Aussprache mancher Wörter fällt mir jedes Mal wieder auf, wenn ich die Tonqualität der Audiospuren einer Präsentation kontrolliere.

 

 

Das ist ein lustiges Phänomen und führt zu vielen kleinen „huchs“ und „ach echts“ – man könnte meinen dass mir die verschiedenen Aussprachen meiner Familie nach all den Jahren bewusst wären.
Es ist aber nicht mein Phänomen sondern ein kollektives. Das kennen Kinder von Migrant*innen, Menschen die code-switchen oder sich so an die wissenschaftlichen Fachbegriffe ihres Berufs gewöhnt haben, dass sie diese gar nicht mehr als die obskuren Fremdwörter wahrnehmen die sie sind.

 

Obwohl ich mir die Finger wundgesucht habe konnte ich keine linguistische Bezeichnung dafür finden, allerdings so viele persönliche Erlebnisberichte, dass ich das ohne Skrupel weiter generalisieren werde. So wie Rhabarber der Spargel des Obsts ist, verhält sich dieses Phänomen zu der Geruchsblindheit die man für sein Zuhause entwickelt. Irgendwie rührig, dass man sich an manche Sachen so sehr gewöhnt, dass man sie gar nicht mehr wahrnimmt. Aber bei den schönen Dingen kann es auch gut sein, sich ihrer wieder bewusst zu werden. Moin, machets gut.